Die Preisträger 2022

Die besten Beiträge wurden von einer unabhängigen Jury mit dem Mittelfränkischen Jugendfilmpreis, einem Geldpreis, sowie einem ‘Lobo’ ausgezeichnet.

Einige der Filme qualifizierten sich außerdem für das BAYERISCHE KINDER & JUGEND FILMFESTIVAL, das vom 7.-10. Juli 2022 in Würzburg stattfindet.

Nähere Infos zu den Jurys und den Preiskategorien findet ihr > hier.

Für Infos zu den Preisträger-Filmen einfach auf den entsprechenden Preis klicken.

 

Hauptpreise:

1. Preis in der Kategorie COMING UP
Yannick Horn: „Searching for Connection“ // Nürnberg 2022 // 13 min
Auf der Suche nach WLAN entflieht Mia mit Jan, von dem sie eigentlich nicht viel hält, da er Querdenker ist, dem eintönigen Corona-Alltag. Wenn da nicht noch der Laptop wäre, der sich verselbständigt…

Laudatio:
Als Mia online von einem Lehrer auf ihre säumigen Zeiten beim Home-Schooling angesprochen wird und antworten soll, zerstört ihr kleiner Bruder auch noch den Router und die Verbindung wird unterbrochen. Auf der Suche nach WLAN trifft Mia auf ihren Nachbarn Jan, von dem sie eigentlich nicht viel hält, da er Querdenker ist. Als Jan den Laptop reparieren will, verselbständigt der sich auf eine ganz fantastische Weise. Zu unrealistisch – keine Zeit zu träumen? Im Film ist alles möglich und auch Mia und Jan finden sich nach dem erlebten Abenteuer nicht mehr ganz so verkehrt. Quasi ist Mia auf der Suche nach Online-Connection auf eine wirkliche Connection gestoßen und das mitten in der isolierenden Pandemie.
Yannick Horn zeigt ein Talent, Geschichten zu erzählen und so filmisch umzusetzen, dass er die Zuschauer mitnimmt in das Innenleben seiner geschaffenen Charaktere, die so lebendig werden und weit über die oberflächliche Darstellung von immer gleichen Stereotypen hinausgehen. Schon in seinem allerersten Film lässt er seinen eigenen Stil erkennen. Das ist das höchste Lob, was man überhaupt über einen Film sagen kann, zumal bei einem Erstlingswerk.
Spielfilme sind immer Mammutprojekte, an denen viele beteiligt sind, und wie Yannick Horn die Phase vom Drehbuchschreiben in die Verwirklichung geschafft hat, ist meisterhaft.  Natürlich nicht allein aber auch das zu organisieren ist eine Kunst, denn auch hier muss man bei aller Hilfe den Hut aufbehalten und alles zusammenhalten und fügen. Der Film überzeugt vom Drehbuch über die darstellerischen Leistungen besonders der Hauptdarstellerin, über den Schnitt und den Ton bis zur Animation. Wir gratulieren Yannick Horn und seinem Team zum ersten Preis in der Kategorie COMING UP und freuen uns schon jetzt auf weitere Filme.

2. Preis in der Kategorie COMING UP
Joshua Villafana: „Musik aus!“ // Bad Windsheim 2021 // 5 min
Ein Mann möchte einfach nur seine Ruhe haben. Doch ständig wird er von seinem musizierenden Nachbarn gestört.

Laudatio:
25 Bilder pro Sekunde – klingt nach ziemlich viel, oder? Unter Filmemacher*innen eine gängige Zahl, denn eine Kamera nimmt so oft in einer Sekunde ein Bild auf, um flüssige Bewegungen darzustellen. Man stelle sich nun vor, man müsse das Zeichnen – von Hand! Dass das viel Arbeit ist, weiß Joshua Villafana nach seinem Film „Musik aus!“ nun ganz bestimmt. Doch diese Arbeit hat sich gelohnt – und wie. In seinem Werk wird ein ruheliebender Mann ständig von seinem Nachbarn gestört. Doch diesem ist das egal: Er spielt Tag und Nacht vor sich hin – egal ob liebliche Gitarren-Melodie oder den „Böhmischen Traum“ auf der Posaune. Das führt natürlich unweigerlich zum kleinen Nachbarschaftskrieg, der auf witzige Art und Weise in seiner Comicwelt dargestellt wird. Der Streit endet zwar im Krankenhaus, doch für unseren stressanfälligen Patienten ist die Ruhe dort der Himmel auf Erden.
Mit liebevoll gezeichneten Bildern und einer Story, die zum Schmunzeln bringt, überzeugt Joshua die Jury. Ebenfalls hervorzuheben ist der selbst eingespielte Soundtrack und die witzigen Dialoge, die ganz ohne Worte auskommen. Diese dennoch verständlich zu gestalten, ist eine große Schwierigkeit, die Joshua gut meistert.
Rundum ein verdienter Preisträger der Kategorie COMING UP. Die gesamte Jury freut sich schon auf weitere Einreichungen dieses noch jungen Produzenten.

1. Preis in der Kategorie TALENT
Toni und Team: „Klub der Gewinner – es kann jeden treffen“ // Roth 2022 // 15 min
Weckerklingeln, Zähneputzen, raus zur Haustür und rein in eine zehrende Tortur: Toni erzählt uns seine/ihre Geschichte. Eine wahre Geschichte von Mobbing, Ausgrenzung und Hass – mitten aus dem Alltag.

Laudatio:
06:30 – der Wecker klingelt, auf zur Schule. Normaler Alltag für Millionen von Schüler*innen. Für Toni wird dieser aber genauso tagtäglich zum Albtraum. Sie wird wegen Ihrer Brille gehänselt. Oder wegen Ihres Gewichts beleidigt. Beim Sport ausgeschlossen. Auf Social Media verspottet. Toni steht stellvertretend für die Geschichten von vier Jugendlichen, die Opfer von Hetze und Gewalt werden. Ihre Geschichten werden sowohl in Form von Interviews und als Nachstellungen berührend erzählt. Dabei wird deutlich, wie viel diese Jugendlichen gemeinsam haben. Immer wieder klingelt der Wecker, immer wieder werden Zähne geputzt, immer wieder wird das Pausenbrot eingepackt. Mit liebevoll herausgearbeiteten Details zeigt uns der Film, wie ähnlich das Leben der Protagonisten ist. Wie sehr es dem anderer Heranwachsender gleicht. Doch plötzlich werden sie ausgestoßen oder sogar geschlagen.
In klarer Bildsprache sehen wir, dass auch wir Toni sein könnten. Dabei bringen die Jugendlichen Filmemacher bereits ihre eigenen Erfahrungen und filmischen Einflüsse mit, die im Subtext mitschwingen und das Werk schärfen. Der Film zieht unser Augenmerk in beeindruckender und persönlicher Weise auf das Thema Mobbing und zeigt, dass es jeden von uns betrifft.
Deshalb freuen wir uns sehr, den ersten Preis in der Kategorie TALENT des Mittelfränkischen Jugend-filmfestivals 2022 an Toni und Team für „Klub der Gewinner – es kann jeden treffen“ vergeben zu dürfen.

2. Preis in der Kategorie TALENT
Ingwer Productions: „Schuld“ // Weißenburg 2022 // 27 min
Jana will zum ersten Mal ihren neuen Freund Niko in dessen Heimatstadt besuchen. Das erste Kennenlernen mit Nikos WG verläuft jedoch anders als erwartet: Jana muss feststellen, dass Niko in rechtsextremen Kreisen unterwegs ist.
(> Film auf YouTube)

Laudatio:
Geschickt und mit sehr viel Spannung erzählen Ingwer Productions die Geschichte einer jungen Frau, die ein gemeinsames Wochenende mit ihrem Freund und seinem Bruder verbringen möchte.
Gleich am Anfang des Filmes wird spürbar, dass bei der Familie etwas nicht stimmt. Die Stimmung in der Bar ändert sich schlagartig und richtungsweisend für den Film nach dem ersten rechtsradikalen Vorfall. Wir werden Zeugen einer Eskalation zwischen dem Bruder und einem vermutlich türkischstämmigen jungen Mann. Die Spannung der Geschichte steigt von Minute zu Minute. Der Freundin Jana geht es darum für das schwerverletzte Opfer schnelle Hilfe zu holen, was der Täter verhindern möchte. Ihm geht es darum, die Tat zu vertuschen. Dafür ist er bereit zu töten. – Dramaturgisch ist der Film großartig umgesetzt, durch spannende Dialoge und den Szenenwechsel ist es der Filmcrew sehr gut gelungen, die Spannung von Anfang bis Ende zu halten. Auch technisch, von den Kameraeinstellungen und dem Schnitt her ist der Film auf einem äußerst hohen Niveau. – Das dargestellte Thema im Film ist ein wichtiger Teil unserer Geschichte und Gesellschaft und hat viele Menschen geprägt. Dass dieses Thema eine Gesellschaft zerreißen kann, wird am Beispiel der Brüder gezeigt.
Der Film „Schuld“ von Ingwer Productions hat die Jury beeindruckt und überzeugt. Wir freuen uns daher, hierfür den 2. Preis in der Kategorie TALENT des Mittelfränkischen Jugendfilmfestivals 2022 zu vergeben.

1. Preis in der Kategorie PROFESSIONAL
Kevin Thai & LIMEBLOOD: „Bis in alle Ewigkeit“ // Nürnberg 2021 // 16 min
Eine Trennung reißt ein vermeintlich zum Scheitern verurteiltes Paar auseinander, woraufhin jeder auf seine eigene Weise versucht, mit der plötzlichen Leere klarzukommen. Eine von Goethes “Die Leiden des jungen Werther” inspirierte Kurzgeschichte.

Laudatio:
Im Film „Bis in alle Ewigkeit“ spricht ab Sekunde eins ein Liebender aus dem Off. Der Zuschauende ist drin im Film, spürt die Zerrissenheit und Verzweiflung des Protagonisten sowie auf der Metaebene das persönliche Dilemma der Liebe. Intensive Musik, komponiert von Tobias Alexander Ratka, setzt ein und steigert die Inszenierung. So viel erstmal zu der außerordentlich gut gelungenen Tonebene. Die andere Dimension des Films ist die visuelle Umsetzung. Hier sehen wir die Geschichte des Paars in düsteren, feinfühlig inszenierten Motiven. Die Ebenen doppeln sich nicht, sondern multiplizieren sich gegenseitig.
„Bis in alle Ewigkeit“ ist eine moderne Interpretation von Goethes „Die Leiden des jungen Werther“. Die Geschichte ist aus der Perspektive des einen Partners erzählt und stellt seine eigene Verantwortung dem Geschehenen gegenüber in den Fokus. Er selbst reflektiert seine Handlungen und spielt andere in der Vergangenheit mögliche Optionen durch. Die Tragik nimmt ihren Lauf und endet in einem, aus Sicht der Reflektion des Liebenden, nachvollziehbaren Ende … bis in alle Ewigkeit.
Was hier noch zu sagen bleibt: grandioses Schauspiel; großartige und vielschichtige Kameraarbeit; abwechslungsreiche, kreative Lichtarbeit, perfekt abgestimmt auf die Bilder; stimmige Kulisse und gefühlvoller Schnitt. Regie, Drehbuch, Produktion & Schnitt lagen bei diesem Film in der Hand von Kevin Thai. Ausgezeichnet! – Fazit: Gratulation zu diesem hochverdienten 1. Preis in der Kategorie PROFESSIONAL für „Bis in alle Ewigkeit“ von Kevin Thai!

2. Preis in der Kategorie PROFESSIONAL
Film-Schwerpunkt der HS Ansbach: „Milan“ // Ansbach 2021 // 17 min
Milan und sein bester Freund Paul werden zum Wehrdienst in die Bundeswehr eingezogen. Schnell merken sie, dass hier andere Regeln gelten.

Laudatio:
„Ab jetzt gilt: Kopf aus und Befehle befolgen!“ So werden Milan und sein Freund Paul auf ihre Zeit bei der Bundeswehr eingestimmt. Es wird schnell klar, dass es nicht ihre Entscheidung war, die Ausbildung zu machen. Trotzdem beschließen beide, sich nicht verbiegen zu lassen. Die Zuschauenden werden mitgenommen in den tristen Alltag eines Soldaten. Hartes Training und Misshandlungen durch die Ausbilder stehen auf der Tagesordnung.  Die Protagonisten können Bestrafungen nur durch Anpassung entkommen. Die jungen Männer werden an ihre Grenzen und darüber hinaus getrieben, bis sie sich letztlich beugen und die Ideologie des Systems annehmen. Schließlich soll Milan den Hauptfeldwebel in dessen Abwesenheit vertreten und wird vom Unterdrückten zum Unterdrücker.
Die Wehrpflicht ist seit elf Jahren ausgesetzt, aber die Mechanismen zerstörerischer Gruppendynamiken, ausgelöst durch Schikane und Gewalt bleiben bis heute bestehen. Sie sind gerade in Zeiten aufflammender Radikalisierung so aktuell wie eh und je. Diesem Thema nähert sich der Film auf beeindruckende Weise. Durch bedrückende Bilder, ausgezeichnetes Sound-Design und hervorragende schauspielerische Leistungen wird eine Atmosphäre geschaffen, in der uns Milans Geschichte tief berührt.
Deshalb verleiht die Jury diesem Werk den zweiten Preis in der Kategorie PROFESSIONAL beim Mittelfränkischen Jugendfilmfestival 2022.

Lobende Erwähnung
Inga Miksch: „Verdrehte Welt“ // Nürnberg 2021 // 7 min
Ein Film vom Erwachsenwerden und der Suche nach dem eigenen Platz in der Welt. Wer hält die Welt am Drehen? Kann ich selber dazu beitragen, dass sie nicht zum Stehen kommt? Sind wir alle nur kleine Schrauben in diesem großen System?
(> Film auf YouTube)

Laudatio:
#PoetrySlam #Animationsfilm #CoronaPoesie. Die Ich-Erzählerin, die sich im Film als „jung, verträumt und unfähig“ beschreibt, steht mitten im Leben und kann nicht anders als sich mit ihrer Welt poetisch auseinanderzusetzen. Im Selbstgespräch versucht sie die Welt zu entschlüsseln, stellt große Fragen und sucht letztlich die eigene Verortung im Universum, in der Gesellschaft und im Alltag. Sie ist eine kleine Schraube im großen System. Jedoch, sie hat Visionen und liefert Hoffnung und Perspektive.
Poesie zu verfilmen ist eine immense Herausforderung. Das gesprochene Wort visuell zu übersetzen ist eine Kunst. Inga Miksch hat in tausenden Fotos, mit kunstvoll selbstproduzierten, zum Leben erweckten Kollagen ein kleines Universum erschaffen. Die Bilder unterstreichen die Poesie und machen diese noch lebendiger. Inga Miksch nutzt bei „Verdrehte Welt“ die Poesie, um die Welt audiovisuell kunstvoll, persönlich und vielschichtig zu deuten.  Das ist ihr hervorragend gelungen.
Es hätte fast für einen Preis gereicht und die Jury freut sich darauf, mehr von ihr zu sehen. Die Erde dreht sich weiter, hoffentlich noch lange mit Poesie wie dieser von Inga Miksch.

Sonderpreise:

FRANKEN FERNSEHEN KURZFILMPREIS
HELSINKI ALTER: „Cinnamon buns for breakfast“ // Erlangen 2021 // 5 min
Eine junge Modedesignerin steigt auf ihrem Weg zur Pariser-Fashionweek in den falschen Flieger und landet fälschlicherweise in Helsinki. Als ihr Assistent Wilson dazu auch noch kündigt, ist sie ganz auf sich allein gestellt.

Laudatio:
Im Kurzfilm „Cinnamon buns for breakfast“ von HELSINKI ALTER steigt eine junge Modedesignerin auf ihrem Weg zur Pariser-Fashionweek in den falschen Flieger und landet in Helsinki. Als ihr Assistent Wilson dazu auch noch kündigt, ist sie ganz auf sich allein gestellt und es scheint alles zu scheitern. Doch vielleicht war dieses Unglück genau das, was sie gerade eigentlich gebraucht hat.
Der Film nimmt den Zuschauer mit auf eine außergewöhnliche und imposante Reise durch Helsinki und überrascht mit einem unerwarteten Ende. Als Zuschauer*in erkennt man sich zum Teil wieder und kann sich selbst reflektieren. Ein Film, der auch zum Nachdenken anregt und zum Ausbruch aus dem alltäglichen Hamsterrad aufruft. Bildsprache, Spannungsbogen, technische Qualität und ein passender, abwechslungsreicher, dynamischer Schnitt-Rhythmus fesseln zusätzlich. Die Musik- und Szeneauswahl passen sehr gut zur jeweiligen Stimmung des Films. Die Schauspieler sind authentisch, überzeugen und tragen den Film in den knapp 5 Minuten.
Großes Kompliment an die vier Macher*innen, die hinter HELSINKI ALTER stehen. Ihr erstes gemeinsames Projekt gewinnt zurecht den FRANKEN FERNSEHEN KURZFILMPREIS. Von der Idee bis hin zur Umsetzung ist „Cinnamon buns for breakfast“ mehr als gelungen und besticht vor allem durch die Liebe zum Detail und die Liebe zum Film. Herzlichen Glückwunsch an HELSINKI ALTER zum verdienten Sieg in der Kategorie ‚Kurzfilmpreis‘ von Franken Fernsehen. Noch auf viele weitere spannenden und sehenswerte Projekte und Filme.

MUSIKCLIP-PREIS
IMPVLSE: „IMPVLSE – Cannibals“ // Nürnberg 2021 // 5 min
Ein Musikclip: Gefangen zwischen Barcodes und Plastikfolie durchläuft Sänger Chris die blutigen Produktionsstufen der industriellen Massentierhaltung.
(> Clip auf YouTube)

Laudatio:
Ein Barcode, ein Augenaufschlag und dann geht‘s los. „Cannibals“ ist ein Monument von einem Song, der bereits mit dem ersten Takt zur Sache kommt. Highspeed in Ton und Bild. Passend zum Thema des Songs, Massentierhaltung, wird schonungslos mit Kunstblut hantiert und der Protagonist erhält während des Drehs einen kahl geschorenen Kopf und geht schließlich, verpackt in Plastikfolie, seinem traurigen Ende entgegen. Drastische Aufnahmen, um auf drastische Zustände hinzuweisen.  Passend dazu eine pulsierende Double-Bass, unter einem absolut fetten Breitwandsound und darüber eine dynamische, durchsetzungsfähige Voice.
Mit welchem Aufwand gearbeitet wurde, lässt schon die Location erkennen. Es ist der große Saal des Z-Bau, der mit viel Liebe zum Detail aufwändig für den Dreh gestaltet wurde. Diese Liebe zum Detail lassen Regisseur Julian Mehn und sein Team auch in den Aufnahmen erkennen. Da wird die Grundstimmung in Rot gehalten, aber auch Strobos für ganze Flashkaskaden eingesetzt und perlende Wassertropfen auf glänzenden Schlagzeugbecken, aufgenommen in Slow Motion, dürfen nicht fehlen. Die Schnitte sind perfekt zum Song gesetzt und Stimmungen werden gezielt wiedergegeben.
Vielen Dank IMPVLSE, vielen Dank dem Filmteam für diesen eindringlichen Song und dem ebenso eindringlichen Clip, zu diesem existenziellen Thema, das angesichts der aktuellen Krisen etwas in den Hintergrund getreten, aber deshalb umso wichtiger ist. – Der Jury ist dieses Gesamtkunstwerk den MUSIKCLIP-PREIS beim Mittelfränkischen Jugendfilmfestival 2022 wert.

SONDERTHEMA „DIVERSITÄT“
Hayat.prod.: „Wir oder ihr“ // Nürnberg 2021 // 9 min
An einem Abend chillen Freunde am See und hören Musik. Nach einer Weile kommen Ordnungsbeamte und wollen ihnen das Feiern verbieten. Doch eine andere Gruppe scheint unbehelligt weiterfeiern zu dürfen.

Laudatio:
An einem schönen Sommerabend chillen ein paar Freunde mit Wasserpfeife und schöner orientalischer Musik, bis Sie barsch von Ordnungskräften unterbrochen werden. Nicht weit von Ihnen drehen andere Jugendliche voll ihren Technosound auf und werden nicht behelligt.
Zuerst dachten auch wir in der Jury – na gut es geht in dem Film wieder einmal um die traurige Tatsache von Rassismus und Vorurteilen gegenüber dunkelhaarigen im Gegensatz zu vorwiegend blonden Menschen. Dann kommt auch noch eine Flaschensammelnde Obdachlose des Wegs und stimmt traurig in den Zorn über diese Ungerechtigkeit mit ein. Aber dann nimmt der Film plötzlich eine solch hübsch absurde Wendung, eine Utopie gewissermaßen, die in diesen Zeiten besonders wichtig ist, denn den Jugendlichen wird klar, dass auch sie ihrerseits Vorurteilen erlegen sind.
Der Film begibt sich auf eine Gratwanderung. Doch die große Message des Films, dass eine Gesellschaft mit allen Facetten von Menschen als wirklicher Reichtum empfunden werden sollte, lässt der Regisseur Hamudie Saleh und sein Filmteam so elegant und humorvoll erzählen, dass sie nie kitschig oder zu sentimental herüberkommt, sondern überzeugt.
Auch Kamera, Darstellung, Schnitt und Ton sind sehr gut ausgeführt in diesem Film, so dass wir dem Regisseur Hamudie Saleh und seinem Filmteam herzlich zum Preis für das Sonderthema „Diversität“ gratulieren.