NOISE

von zugdirekt

2018  •  Spielfilm  •  8 Min.  • München

Logbucheintrag vom 20. Dezember: “Ich war heute wieder 5 Stunden an der Empfangsstation. Wieder nur Rauschen empfangen. Wie immer. Keine außergewöhnlichen Vorkommnisse.” Preisträger flimmern&rauschen 2019 | Kat. 3+4: 17-26 Jahre Laudation: Logbucheintrag vom 20. Dezember. Nico, ein Eigenbrötler vom Planeten Erde, sitzt im verschneiten Wald an seiner selbst gebauten Empfangsstation und horcht ins Weltall. Doch statt der erhofften Signale von außerirdischem Leben, empfängt er nur das Störgeräusch eines Handys. Hinter dem Handy verbirgt sich aber ein Mädchen und die beiden kommen ins Gespräch… „Noise“ von Amon Ritz ist ein leiser und fein erzählter Film, der uns zeigt, wie schwer das manchmal ist mit der „Kommunikation“ – nicht nur mit technischen Geräten, sondern auch zwischen Menschen. Der Film traut sich unaufgeregt den Protagonisten zuzusehen und überzeugt dabei durch gute Schauspieler und sensible Führung. Dem elektronischen Soundtrack gelingt durch das scheinbare Vermischen von Funksignalen mit Melodien der fliesende Übergang zum Sounddesign. Auch ästhetisch zeugt das Zusammenspiel von Bildgestaltung, Kostüm, Grading und der mühevoll gebastelten Empfangsstation von einer großen Stilsicherheit der Filmemacher. Und selbst wenn wir nicht wissen, wie es ausgeht, so haben die beiden Protagonisten doch etwas voneinander gelernt. Das Mädchen verbringt zum ersten Mal einen Tag im gefürchteten Flugmodus und merkt, dass man auch ohne online zu sein, Signale von Mitmenschen empfangen kann und sich das vielleicht gar nicht so schlecht anfühlt. Und der schüchterne Nico lernt von ihr, dass man vielleicht manchmal auch einfach senden muss, statt nur zu empfangen.

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