Dir nah

von Julia Hufnagel, Angelina Loy, Christoph Bühl, Chris Kroher

2017  •  Spielfilm  •  25 Min.  • Mittelfranken

Der Alltag eines scheinbar normalen Menschen wird zum Horrortrip.

30. Mittelfränkisches Jugendfilmfestival 2018 – 1. Preis in der Kategorie PROFESSIONAL

Laudatio: “Wir folgen einem jungen Mann in ein Fotogeschäft. Alles scheint normal, bis sich sein Blick mit dem eines Mannes im Kapuzenshirt trifft. Schon in dieser Szene fühlt der Zuschauer wie der junge Mann bedroht ist. Dann erst wird der Titel eingeblendet und wir sehen in einer Drohnenaufnahme, wie ein weißer, dahingleitender Bus immer wieder durch die Baumkronen aufblitzt. Die Musik verheißt, dass wir diesem Frieden nicht trauen dürfen. Und in der Tat: Als der junge Mann zu Hause ankommt scheint sich ein Fremder seines Hauses bemächtigt zu haben und spätestens jetzt wissen wir, das wird böse enden. Als die Geräusche und Vorkommnisse immer bedrohlicher werden, bewaffnet er sich. Fantastisch inszeniert, aufgenommen und gespielt, hätte dies schon einen perfekten Thriller ergeben können, doch wie sich die Geschichte auflöst, ist schon ein wahres Meisterstück. So emphatisch und genial hat kaum ein Film den Zuschauer die Angst nachempfinden lassen, was es bedeuten mag, durch Demenz seine eigene Identität allmählich zu verlieren und selbst seine liebsten Vertrauten immer mehr zu vergessen. Als würde sich die ganze Persönlichkeit allmählich in ein Nichts auflösen. Im Nachhinein werden die Hinweise am Anfang deutlich. Als der scheinbar junge Mann im Fotogeschäft wie vor 30 Jahren selbstverständlich einen analogen Super8-Film verlangt und ihn eine alte Frau im Bus mit Karl anspricht und er sich verwundert abwendet. Genial inszeniert ist auch das Erschrecken, als er zum ersten Mal seine alten Hände entdeckt und dann vor seinem alten Gesicht erschrickt. Zum Schluss steht der Vater mit seiner Tochter vor dem Spiegel und beide ziehen für sich ihre Resümees. Das hätte leicht danebengehen können. Doch auch hier gelingt dem Team der gefährliche Balance-Akt: statt Peinlichkeit berührende Texte mit poetischem Potential. An diesem Film stimmt fast alles: die Geschichte, der Rhythmus, die Kamera, die Darstellung, die Inszenierung, die Montage und der Einsatz der Musik. Wir können kaum glauben, dass es der erste Film dieses genialen Filmteams ist und gratulieren Julia Hufnagel, Angelina Loy, Christoph Bühl und Chris Kroher zum 1. Preis in der Kategorie PROFESSIONAL.”

Gewinner

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