von Veronika Havrykova
2024 • Spielfilm • 17 Min. • München
Eine junge Frau, die nach der Trennung von ihrer Geliebten verzweifelt ist, entscheidet sich, ihrem Schmerz zu entfliehen und von der Ukraine nach Deutschland zu ziehen. Sie steigt in ein Taxi, und das Gespräch mit dem Fahrer legt nach und nach ihre Wunden offen. Ein intensiver Kurfilm über Lebensentscheidungen und Neuanfänge.
flimmern&rauschen 2025 | LAUDATIO:
LOST ist ein berührender Kurzfilm, der wie selbstverständlich zwischen den Welten gleitet: Wenn die Protagonistin in der Rahmenhandlung mit ihrem Taxifahrer niedergeschlagen über die alltägliche LGBTQ+-Feindlichkeit philosophiert, dominiert das kalte Dröhnen der Motorgeräusche. Doch sobald wir in ihren Erinnerungen schwelgen und sie mit ihrer Ex-Freundin verliebt intime Momente genießt, wird alles sehr sanft. Dass der Regisseurin das Thema sehr am Herzen liegt, ist dabei permanent zu spüren. Es werden unverblümt schwere Fragen gestellt, wie etwa „Kann es jemals Wert sein, sich selbst aufzugeben, nur um anderen zu gefallen?“ Und durch die beiden einfühlsam gespielten Figuren unterschiedlichen Alters wird der damit verstrickte Generationenkonflikt ebenso sehr natürlich thematisiert.
Nicht zuletzt ist auch die großartige Kameraarbeit mit gekonntem Framing schöner Bilder und der selbstbewusste Schnitt dafür mitverantwortlich, dass das Geschehen immer ein exzellentes Timing hat, dessen 17 Minuten niemals langweilen oder hetzen. Daraus ergibt sich eine feinfühlige Fabel über Liebe und Hass, irgendwo zwischen Melancholie und Hoffnung, die lange im Gedächtnis bleibt.