von Deutsch-Griechisches Filmprojekt
2025 • Sonstiges • 9 Min. • Niederbayern
Drei Jugendliche treffen sich im griechischen Bergdorf Kryoneri. „Liebes imerológio“ erzählt von erster Gefühlen, Anderssein – und der Frage: Was bleibt, wenn der Abschied kommt?
JUFINALE Niederbayern 2025 | LAUDATIO:
Liebes Tagebuch,
ich muss dir etwas erzählen. Ich habe einen Film gesehen, der mich nachdenklich gemacht hat – mich als heterosexuellen Mann, dessen Geschlecht oder sexuelle Orientierung nie zu persönlichen Problemen geführt hat. In dem Film geht es um eine Reise eine jungen, non-binären, queeren Person, die sich so gibt, wie sie das will – und sich dabei trotzdem in unserer deutschen Gesellschaft nie richtig frei fühlt. Doch dann kommt sie in kleines, konservatives, griechisches Dorf – so etwas wie
der Gegenentwurf zu ihrer Lebensweise. Ein Dorf, in dem man sich vielleicht noch viel weniger frei fühlen darf, als in ihrer eigenen Heimat. Dort trifft sie eine junge Frau, die – bildlich gesprochen – offensichtlich in schweren traditionell-konservativen Ketten liegt, einem Rollenbild entspricht, die aber gerne ausbrechen würde, anders sein würde, als man es von ihr erwartet. Es entsteht eine Freundschaft. Vielleicht sogar ein Flirt, vielleicht sogar Gefühle? Jedenfalls beginnt eine Reise zu sich selbst, ein Gefühl der Freiheit mitten im Gefängnis der Traditionen. Doch das gefällt nicht allen. Und ganz plötzlich ist es auch schon wieder vorbei. Der Film endet – ob bewusst oder unbewusst – mit einem ganz starken Bild. Die junge Frau schminkt sich ab, die Maske fällt, aber eigentlich setzt sie sich die Maske ja wieder auf – und taucht wieder ab, in ihr Leben, in dem sie nicht sie selbst sein kann. Bei diesem Film überzeugt so viel. Das Überwinden von Sprachbarrieren bei der Produktion und die Bündelung kreativer Ideen in so kurzer Zeit, die Bildsprache, die MOS-Szenen, also die stummen Dialoge, die Locationauswahl, die Schauspieler, der Aufbau. Vor allem aber auch das Thema, das bei den politischen Entwicklungen im Land für junge Menschen aktueller denn je ist. Auch hier in Niederbayern mag man manchen Menschen zurufen: Schaut diesen Film und überdenkt vielleicht die eigene Einstellung. Der Niederbayerische Filmpreis geht völlig verdient an „Liebes imerológio“. Herzlichen Glückwunsch!