Erinnerung an das Jetzt

von Filmprojekt ErinnerungsRÄUME


2022  •  Spielfilm  •  17 Min.  •  Hersbruck / Mittelfranken

Was würde geschehen, wenn ein entflohener KZ-Häftling in der jetzigen Zeit ankommt und eine Gruppe von Jugendlichen trifft?

Der Film bezieht sich auf das folgende Zitat von Vittore Bocchetta:

„In der Nähe des Ortes, umschlossen von Stacheldraht, lag ein schlammiger Sumpf, wo der Tod,
und nur der Tod, vom Leid des Daseins erlösen konnte. Heute erscheint hier ringsherum das
tägliche Leben des zivilisierten Menschen völlig normal. Doch hier ereignete sich eine schädliche
Tragödie. Möge man das Andenken daran niemals verbergen!“

35. Mittelfränkisches Jugendfilmfestival 2023
1. Preis in der Kategorie COMING UP | Laudatio:

“Zu Beginn hört man verstörende Geräusche – Hundegebell, Gewehrsalven. Wir sehen einen Mann in Sträflings­kleidung auf der Flucht, der Zuflucht in einem Brunnenschacht findet – Schnitt. Ein Sprung in die Gegenwart. Vier junge Menschen streunen durch den Wald und treffen auf den vor ca. 80 Jahren entflohenen Häftling. Die Jugendlichen verstecken ihn in Omas Keller. Langsam wird ihnen klar, dass sie einen Zeitreisenden vor sich haben. Sie versorgen ihn und machen mit ihm einen Spaziergang durch das heutige Hersbruck. Vor dem Denkmal „Ohne Namen“ bleibt der Zeitreisende stehen und als er den Namen des Erschaffers liest, erkennt er, dass das ja von ihm selbst geschaffen sein muss. In einer weiteren Rückblende ist zu sehen, wie ihm, Vittore Bocchetta, Kämpfer gegen den italienischen Faschismus, Überlebender des KZ Hersbruck, später Professor für Sprache und Literatur, Bildhauer und Maler, damals die Flucht gelungen ist. Mit dem Film „Erinnerung an das Jetzt“ im Rahmen der Projektreihe ErinnerungsRÄUME des Vereins „Dokumentationsstätte Konzentrationslager Hersbruck e.V.“ gelang ein eindrucksvolles Statement gegen das Vergessen. Eine Gruppe von zehn jungen Menschen setzte diese Thematik durch die Idee einer Zeitreise eines realen Insassen eindrucksvoll um. Mit einfachen technischen Mitteln, aber teils beeindruckenden schauspielerischen Leistungen, gelang es, die schwierige Thematik originell und einfühlsam darzustellen. Sogar humoristische Elemente finden in diesem Film mit dem ernsten Thema ihren Platz, ohne deplatziert zu wirken. „Bella Ciao“ bildet den Soundtrack im Hintergrund und erinnert an die italienische Herkunft des Protagonisten. „In der Nähe des Ortes, umschlossen von Stacheldraht, lag ein schlammiger Sumpf, wo der Tod, und nur der Tod, vom Leid des Daseins erlösen konnte. Heute erscheint hier ringsherum das tägliche Leben des zivilisierten Menschen völlig normal. Doch hier ereignete sich eine schändliche Tragödie. Möge man das Andenken daran niemals verbergen!“ – Mit diesem Zitat von Vittore Bocchetta endet die Laudatio der Jury, die sich sehr freut, den 1. Preis in der Kategorie COMING UP an diesen Film zu vergeben.”