Codename Silver Agent

von Markus Jogwich


2024  •  Animationsfilm  •  5 Min.  •  Niederbayern

 

Die agile 75-jährige Geheimagentin Inge kämpft in einer Mission weniger mit Gegnern als mit ihrem Gedächtnis und Selbstzweifeln. Kann Sie den Auftrag erfüllen oder ist alles nur eine Metapher für alltägliche Herausforderungen?

JUFINALE Niederbayern 2025 | LAUDATIO:

Ich muss zugeben: Ich habe mich ein bisschen verliebt. Und zwar in Inge. Inge, das ist die niedliche, 75-jährige Dame aus dem Animationsfilm „Codename: Silver Agent“. Inge wirkt so friedlich und glücklich in ihrem Sessel, bis hinter ihr die Bluetooth-Box piept und sich der Bilderrahmen in ein Tablet verwandelt. Dann beginnt ihre Mission. Sie muss den Schlüssel finden und sich dafür einen PIN-Code merken. Und jetzt erklärt sich noch mehr, warum ich mich in Inge etwas verliebt habe. Die alte Dame ist körperlich top fit, räumt in einer Mischung aus James Bond und Tom Cruise alle aus dem Weg, die sich ihrer Mission in den Weg stellen. Am Ziel angelangt, wird ihre Mission dann doch so gut wie „impossible“. Wie war noch mal der PIN-Code? Zahlen werden zu Schall und Rauch – und dann ist da nur noch diese Leere. Spätestens jetzt ist klar: Inge leidet unter einer beginnenden Demenz. Sie ist körperlich topfit, aber ihr Gedächtnis lässt sie im Stich. Der Moment, als Inge noch einmal tief Luft holt und dann zusammenbricht, ist der emotionale Höhepunkt in diesem Film und trifft den Zuschauer tief ins Herz. Aber war alles nur ein Traum? Denn Inge wacht zu Hause in ihrem Sessel auf und entdeckt den Schlüssel auf dem Tisch. Jetzt lässt der Film offen, ob es der richtige ist. Denn er liegt etwas abseits von einigen weiteren Schlüsseln. Vielleicht hat sie die Mission erfüllt. Auf den ersten Blick hat „Codename: Silver Agent“ vielleicht nichts mit der Lebenswirklichkeit der Jugend zu tun. Aber auf einer zweiten Ebene schon – denn die Demenz führt Inge zurück ins Spielerische. So versucht sie am Ball zu bleiben. In Familien mit dementen Menschen kann es auch zu lustigen, kindlichen Momenten kommen. Außerdem kann der Film auch eine Mahnung sein: Bleibt fit im Geiste in Zeiten von KI und Co. „Codename: Silver Agent“ ist mit Liebe animiert und absolut berührend, ohne Dialoge zu verwenden. Er stellt ein wichtiges Thema unserer älter werdenden Gesellschaft in den Mittelpunkt und überzeugt durch die Storyline mit „Mission-impossible-Flair“. Auch die Details der Animation sind hervorzuheben. Die dunkle Wolke über Inges Kopf, die die Zahlen im Nebel verschwinden lassen, oder auch ihre Spiegelung im Fernseher, der vor dem Sessel steht. Ein tolles, bewegendes Ein-Mann-Projekt, das den niederbayerischen Jugendfilmpreis absolut verdient. Herzlichen Glückwunsch!