von Vincent Clausnitzer & Louis Göschl
2025 • Sonstiges • 7 Min. • Niederbayern
Manchmal sieht man erst, was wirklich war, wenn es zu spät ist. Emmas Schulweg wird zur Reise durch Schuld, Erinnerung und Erkenntnis.
JUFINALE Niederbayern 2025 | LAUDATIO:
Eine Begegnung, zwei Perspektiven – und die Frage: Warum? Der Film „Blind“ von Vincent Clausnitzer und Louis Göschl erzählt von Schuld, vom Schweigen – von dem Gefühl, etwas ignoriert zu haben, das man vielleicht hätte verhindern können. Schon in den ersten Sekunden wird klar: Hier hatte man richtig Bock auf Film. Alle Gewerke – ob Regie, Kamera oder Schauspiel – greifen perfekt ineinander. Man spürt das Herzblut und die Liebe zum Detail, die in dieses Projekt geflossen sind.
Der Film ist stark inszeniert – mit einem gekonnten Pacing, das die Geschichte konsequent bis zur Auflösung am Ende trägt. Auch technisch glänzt „Blind“ auf höchstem Niveau: starke Kameraarbeit, gepaart mit einem stimmungsvollen Color Grading, das einen die innere Zerrissenheit in jeder Einstellung spüren lässt, und ein Soundtrack, der unter die Haut geht. Die Schauspielleistungen sind so subtil und authentisch, dass man vergisst, dass hier keine Profis vor der Kamera stehen.
Doch „Blind“ überzeugt nicht nur durch seine Form. Der Film hallt nach und lässt einen auch lange nach dem Abspann nicht mehr los. Der Perspektivwechsel am Ende ist nicht nur erzählerisch ein kluger Kniff, sondern kommt mit einer emotionalen Wucht daher, die zum Nachdenken anregt. Er löst die Begegnung der beiden Figuren, Emma und Daniel, gekonnt auf, wirft gleichzeitig neue Fragen nach Schuld auf und zeigt, wie selbst kleine Entscheidungen das Schicksal eines anderen Menschen
beeinflussen können. Würde Daniel noch leben, wäre Emma nicht ins Auto gestiegen? Manchmal sieht man erst, was wirklich war, wenn es zu spät ist. „Blind“ ist ein Film, der bewegt und zeigt, was junge Filmschaffende draufhaben. Für genau solche Projekte ist die JUFINALE gemacht. Chapeau! Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch zum Niederbayerischen Jugendfilmpreis 2025 – und bitte weiter so!