Die Preisträger 2021

Die besten Beiträge wurden von einer unabhängigen Jury mit dem Mittelfränkischen Jugendfilmpreis, einem Geldpreis, sowie einem ‘Lobo’ ausgezeichnet.

Einige der Filme qualifizieren sich außerdem für das BAYERISCHE KINDER & JUGEND FILMFESTIVAL, das vom 7.-10. Juli 2022 in Würzburg stattfindet.

Nähere Infos zu den Jurys und den Preiskategorien findet ihr > hier.

Für Infos zu den Preisträger-Filmen einfach auf den entsprechenden Preis klicken.

 

Hauptpreise:

1. Preis in der Kategorie COMING UP
Hugo Eismann: „Leb’ ein bisschen“ (Langensendelbach 2020 // 12 min)
Ein Jugendlicher verbringt sein Leben hauptsächlich mit Zocken. Nachdem er erfährt, dass er Krebs hat und vermutlich bald sterben wird, verhilft ihm sein Freund dazu, sein Leben endlich zu genießen.

Laudatio:
Wegen einer vermeintlichen Krebsdiagnose kommt Ben nicht mehr aus seinem Zimmer und verbringt die Zeit nur noch mit Zocken. Sein Freund Louis macht Ben klar, dass er die Zeit lieber nutzen soll, die ihm noch bleibt. Er lässt nicht locker, bis Ben sein Schicksal wieder selbst in die Hand nehmen kann.
Eine Geschichte, die in 12 Minuten kaum überzeugend zu erzählen ist, vor allem nicht, wenn keine eigenen Erfahrungen mit dem Thema vorliegen. Außerdem ist es der erste Film des jungen Filmteams mit dem Durchschnittsalter 14, den sie beim Jugendfilmfestival einreichten. Dennoch gelingt es dem Team um Hugo Eismann, einen durchaus runden Film zu kreieren. Einige der Gründe mögen wohl darin zu suchen sein, dass nicht versucht wird, die Geschichte kompliziert zu entwickeln, sondern dass sich das Filmteam auf seine Stärken konzentriert und diese ausbaut. Besonders die Szenen, die in der Umgebung von Luis geschehen, werden in den Fokus gesetzt. Beispielsweise der Freund, der an verschiedenen Orten – im Zimmer, auf der Kegelbahn, auf dem Sportplatz – insistiert und nicht lockerlässt. Die Liebesgeschichte zwischen Leila und Ben, die mit kurzen eingestreuten Szenen entwickelt wird. Der Schnitt, der einer glaubwürdigen Dramaturgie folgt bis hin zum Einsatz der Musik und dem Sounddesign.
Am meisten allerdings erstaunte die Jury die Kamera. Ein Erstlingswerk, aufgenommen mit einer Smartphone Kamera und dann diese kinowürdigen Bilder? Vor allem die Kamerafahrten, die Nebenszenen im Wald, am See, inklusive einer guten Kamera-Kreiselfahrt. Dieses Zitat von so jungen Filmemachern hätte den Erfinder der Kamera-Kreiselfahrt, den legendären fränkischen Kameramann Michael Ballhaus, durchaus entzückt. Wir hoffen, dass der Name der Produktionsgruppe ‚FINAL FRAME‘ nicht wörtlich zu nehmen ist und wir in den folgenden Jahren noch weitere Filme von Hugo Eismann und seinem wundervollen Team sehen werden.

2. Preis in der Kategorie COMING UP
Anja Beranek: „Squeedy“ (Lauf 2020 // 16 min)
Ella gelangt an ihrem 7. Geburtstag in ein verlassenes Haus. Dort lebt eine schreckliche Gestalt, die auf Ella und ihre Schwester aus ist. Und das alles wegen einer Ente…
(> Film auf YouTube)

Laudatio:
Ein Kindergeburtstag, bunte Farben und lockere Atmosphäre – mit liebenswürdigen Szenen direkt aus dem Alltag startet „Squeedy“. Doch die Stimmung bleibt nicht lange so gelassen, denn nachdem die siebenjährige Ella ihre neue Kuschelente in einem leerstehenden Haus verliert, muss die große Schwester Lisa mit ihr spätabends dorthin zurückkehren. Dort treffen die beiden auf eine schreckliche Gestalt und durchleben eine Nacht des Grauens…
Anja Beranek hat sich für ihren Film klar mit klassischen Horror Tropes auseinandergesetzt und schafft es mit genretypischen Shots, Sounds und Effekten einen angsteinflößenden Rahmen für ihren Film zu gestalten, welcher im Zuge ihrer Seminararbeit entstanden ist. Unterstützt nur durch ein kleines Team und Schauspieler aus dem Familienkreis stellte die Regisseurin, die gleichzeitig auch das Drehbuch allein schrieb, eine der Protagonistinnen verkörpert und für die Postproduktion verantwortlich war, sich der Herausforderung ein so großes Projekt erstmalig zu managen, welche sie mit Bravour gemeistert hat.
Für dieses Engagement und den Blick für den gewissen Gruselfaktor vergibt die Jury, die mehrfach während des Ansehens Gänsehaut bekam, den 2. Platz in der Kategorie „Coming Up“!

1. Preis in der Kategorie TALENT
Lilith Klaus: „Außengeister“ (Nürnberg 2020 // 13 min)
Ein Mädchen gerät durch Zufall in eine Benefiz-Gala.
Ihr bietet sich ein Schauspiel der Doppelmoral westlicher Gutbürgerlichkeit.

Laudatio:
Der Film „Außengeister“ ist laut Inhaltsbeschreibung „ein Schauspiel der Doppelmoral westlicher Gutbürgerlichkeit“. Diese Beschreibung trifft das dargestellte Szenario hervorragend.
Die Themen des Films „Außengeister“ sind die Widersprüche zwischen unserem westlichen Lebensstil und dem oftmals geheuchelten Gutmenschentum sowie unsere gesellschaftliche Verstrickung in Sexismen und Rassismen und deren tiefe Verankerung in einem System, von dem man selbst profitiert.
Diese Themen werden von den perfekt gewählten Schauspieler*innen hervorragend subtil in Szene gesetzt. Die gewählten Locations stimmen, die Bildgestaltung und die Lichtsetzung sind meisterhaft und entlarvend eingesetzt. Die Umsetzung dabei ist von viel Gespür für das Medium Film geprägt. Die Form ist sehr sensibel und gleichzeitig überspitzt ungewöhnlich, jedoch immer mit dem präzisen Blick auf die Inhalte. Die Geschichte ist pointiert, humorvoll, inspirierend und überrascht mit jeder Szene bis zum Schluss. Lilith Klaus, die 19-jährige Regisseurin, Drehbuchautorin und Produzentin des Films bezieht sich auf diverse Referenzen zu anderen großen Filmemacher*innen, beweist dabei aber eine Eigenständigkeit, die überwältigt. Auch die Schauspielführung von so vielen Darsteller*innen gleichzeitig ist durchweg beeindruckend. Das ist herausragend und großartiges eigenständiges Kino.
Vielen Dank für dieses große Werk, das der Jury sowohl thematisch als auch visuell noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Die Laudatio endet mit einem Zitat der Jurysitzung: „Der Film ist lustig, das Lachen bleibt einem aber im Hals stecken.“

2. Preis in der Kategorie TALENT
FOCAS-fiIms: „Das Wesen der Stille“ (Rückersdorf 2020 // 19 min)
Ein alter, einsamer Mann findet beim Pfandflaschensammeln einen Goldfisch und ahnt nicht, welche Auswirkungen dieser auf sein Leben haben wird.
(> Film auf YouTube)

Laudatio:
Ein einsamer Mann fischt Pfandflaschen aus dem Müll und dabei geht ihm ein Plastikgoldfisch buchstäblich an die Angel, als er diesen in einem Goldfischglas, abgestellt neben einem Glascontainer, findet. – Aus diesem Plot entspinnt sich eine Geschichte voller Poesie und Wärme. Mit langen, behutsamen Kameraeinstellungen und von einem sparsamen Piano unterlegt, nähert sich der Film seinem Protagonisten und setzt ihn einfühlsam in Szene. Wie in Zeitlupe entwickelt sich die Geschichte um den einsamen Mann und seinen Plastikgoldfisch, der zu seinem wichtigsten, weil einzigen Gefährten wird. Kommt der Film zunächst ohne verbale Kommunikation aus, beginnt der einsame Mann schon bald, sich mit seinem Plastikgefährten zu unterhalten und verpasst ihm immer lebendigere, ja menschliche Züge.
Das Drama nimmt seinen Lauf, als das Goldfischglas vom Waschbecken herunterfällt und schallend zerbricht. Schlagartig ändert der Film seinen Rhythmus: Harmonische Struktur weicht hektischer Planlosigkeit und schließlich ist nicht nur das Bad überschwemmt, sondern der einsame Mann am Boden zerstört und der Plastikgoldfisch wird vom Rettungsdienst mit den Scherben des Goldfischglases zusammengekehrt und im Müll achtlos entsorgt. Ein philosophischer Epilog über die vergangenen Erfahrungen und Fragen an die Zukunft bildet den Abschluss dieser kleinen Filmperle. – Moritz Forster und Nils Castner gelingt es hervorragend, die Szenen zu inszenieren. Bis ins kleinste Detail geben Möbel, Einrichtungsgegenstände und Utensilien die Stimmung wieder, in der sich der einsame Mann befindet. Klassik aus dem Kassettenrekorder, schäbige Möbel und ein schnurgebundenes Telefon zeugen davon, dass die Zeit für den einsamen Mann wohl schon länger stehengeblieben ist. Mit Pius Maria Cüppers konnte ein wunderbarer Schauspieler gewonnen werden, der die Kunst des „Unterspielens“ perfekt beherrscht und dabei eine unglaubliche Präsenz ausstrahlt. – Alles in allem ist FOCAS-Films mit „Das Wesen der Stille“ ein wirklich feiner, leiser Kurzfilm gelungen, der Lust macht auf mehr. Die Jury freut sich, den Film mit dem 2. Preis in der Kategorie TALENT auszuzeichnen.

1. Preis in der Kategorie PROFESSIONAL
Lorenz Baier, Marvin Rizzo, Julia Baumgartner: „Sanfter Engel“ (Ansbach 2021 // 10 min)
Hedwig kümmert sich seit Jahren um ihren dementen Mann Franz. Mit der schlimmer werdenden Krankheit steht sie vor der Entscheidung, Verantwortung für ihn abzugeben.

Laudatio:
Es wird eine Geschichte erzählt, die im Film schon millionenfach erzählt wurde und doch wird sie in diesem Kurzfilm wieder neu und sehr filmisch erzählt. Und dies in einem Kammerspiel, das sich erst zum Schluss nach draußen öffnet. Es ist die Geschichte einer Liebe nach der ersten Verliebtheit, die Sprachlosigkeit, die sich längst breitgemacht hat. Dies wundervoll symbolisiert durch die zwei Goldfische in dem Aquarium, mit dem Josef Nadine eines Tages einfach in der gemeinsamen Wohnung überrascht. „Die leben doch bestimmt lang“, fragt Nadine. „So 20 Jahre“ entgegnet Josef. Schon allein in diesem einfachen, auf den Punkt gebrachten Dialog, drückt sich die Kunst aus, wirklich universelle Geschichten filmisch zu erzählen. Das ist eine Kunst ein Drehbuch zu verfassen, in dem ebenso Darstellung, Räume, Licht, Ton und Montage ihre Möglichkeiten erhalten, die derzeit leider nur wenige im deutschen Film beherrschen. Wundervoll dargestellt von Marlene Hauser und Marcel Herrnsdorf. Auch das restliche Team um Boris Gavrilovic, Eva-Maria Amm und Johannes Zenk hat bis zur metapherhaften Titelfindung meisterhaftes zustande gebracht. Dieses Kernteam möchte erfreulicher Weise auch bei ihrem Bachelor-Film für die Ohm-Hochschule zusammenarbeiten und wird sicher wieder einige Mitstudenten mit einbeziehen. Auf diesen Film freuen wir uns schon sehr. Auch auf viele weitere, die folgen werden. Da sind wir uns sicher. Herzlichen Glückwunsch zum ersten Preis in der Kategorie PROFESSIONAL beim 32. Mittelfränkischen Jugendfilmfestival!

2. Preis in der Kategorie PROFESSIONAL
Dorian Barbera: „Pakeha“ (Ansbach 2021 // 18 min)
Ein Film aus Neuseeland. Ein deutscher Filmemacher will zeigen, wie die Maori-Ureinwohner in einem post-kolonialen Land zurechtkommen. Ist er Teil eines Problems?

Laudatio:
Der junge Filmemacher Dorian Barbera fliegt nach Neuseeland, um einen Dokumentarfilm über die Ureinwohner des Landes zu drehen. „Ein typisch westlicher Ansatz, um einen Dokumentarfilm zu machen…“ so ein Zitat von Teena, einer Professorin an der Fakultät für Maori und indigene Völker, aus dem Film. Das anfängliche Ergebnis ist erwartbar: Maoris tanzen vor Touristen, ein wunderschöner Wasserfall, oberflächliche Geschichte der Einwanderung Neuseelands. Die betrachtende Person erfährt banales, bis die Perspektive wechselt. Teena fordert einen anderen, nicht so erwartbaren und autoritären Einblick in die indigene Bevölkerung, sie fordert Empowerment der Ureinwohner. Der Filmemacher Dorian Barbera mit seiner anfänglichen Idee steht plötzlich entlarvt im Fokus. Er nimmt den Fokus an und die Fragen werden komplex. Diese Irritation über das Dokumentarfilmmachen vom naiven Blick hin zum eigentlichen Thema hat die Jury begeistert und viel Diskussion ausgelöst. So soll ein Dokumentarfilm sein.
Fazit: Dorian Barbera begibt sich auf eine Reise und nimmt uns als Betrachter*innen mit. Die Recherche und das Material entstehen im Fluss der gewonnenen Erfahrungen. Es gibt kein Drehbuch und der Plot ist offen. Dorian Barbera hat mit dieser Dokumentation viel Mut bewiesen. Der Film „Pakeha“ lässt uns aber über die großartigen Protagonist*innen auch Ansätze kennenlernen, wie man mit dem Dilemma umgehen kann. Vielen Dank für diesen Perspektivwechsel und DEINE Geschichte.

Sonderpreise:

FRANKEN FERNSEHEN KURZFILMPREIS
Joshua Villafana: „Lego Shopping Fail“ (Bad Windsheim 2020 // 5 min)
Shoppen bis zum Umfallen. Ein Lego Stop Motion Movie.

Laudatio:
In seinem Stopmotion-Film „Lego Shopping Fail“ erschafft Joshua Villafana eine lebendige Einkaufswelt aus Klötzchen, die nur so von Charme und Witz strotzt. Der gesamte Film zeugt von viel Mühe und Arbeit, die in ihn investiert wurden, aber auch von der Freude an dieser Arbeit. Angefangen bei der detailverliebten Umsetzung des Shoppingtrips in unzähligen liebevoll arrangierten Bildern, bis hin zur perfekt passenden Soundkulisse – unzählige witzige und liebevolle Details sorgen dafür, dass der Ausflug in die Legowelt wie im Flug vergeht. Die Geschichte wurde mit Leidenschaft und Spaß erzählt, abgerundet von einer gelungenen Pointe zum Schluss. Der gesamte Aufwand ist besonders beeindruckend, wenn man bedenkt, dass das ganze Projekt als Ein-Mann-Produktion umgesetzt wurde und der Filmemacher während der Erstellung des Werkes erst 12 Jahre alt war.
Die Jury hofft, dass noch viele weitere kreative Werke folgen! Vielen Dank für diesen kleinen, witzigen und kreativen Animationsfilm, welcher der Jury eine Auszeichnung für den besten Kurzfilm des Mittelfränkischen Jugendfilmfestivals 2021 wert ist!

MUSIKCLIP-PREIS
Jay Why: „2050“ (Herzogenaurach 2020 // 6 min)
Ein Musikclip zu einem eigenproduzierten Song über die Klimakrise und ihre Folgen.
(> Clip auf YouTube)

Laudatio:
„2050“ beginnt so überhaupt nicht wie ein Video-Clip. Impressionen von der verfallenden Steintribüne auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände und Ausschnitte einer Fridays-for-Future-Demonstration aus Erlangen stimmen auf das Thema des Clips, die Zerstörung unserer Welt, ein.
Von der ersten Szene an nimmt uns der Clip mit seiner melancholischen Grundstimmung mit in eine Welt voller Zerstörung, verpasster Chancen und Gelddiktatur. In wohl gesetzten Bildern werden die Gegensätze zwischen Zerstörung und Gefährdung der Welt und dem Tanz ums goldene Kalb zelebriert. Immer wieder informieren kurze Clips im Clip über die Dringlichkeit des Themas, das keinen Aufschub duldet und dennoch so zögerlich angegangen wird. Plastikmüllberge aus dem Meer und Müllhalden symbolisieren den Niedergang unserer Erde. Am Ende wird deutlich, wie wir uns unser eigenes Grab schaufeln und die Erde gleich mit begraben.
Jakob Werling ist ein sehr eindringlicher, aufrüttelnder Clip gelungen. Ohne großartige Effekthascherei, dafür sehr einfühlsam mit dem Mut zu einer melancholischen Grundstimmung, die sich in den Bildern und dem Song ausdrückt, bringt der Clip das Thema Weltzerstörung bis ins Herz der Zuschauenden. Ganz am Ende ergänzt der wütende Protest von Greta Thunberg den eh schon eindringlichen Film und sorgt dafür, dass er nachhaltig in Erinnerung bleibt. – Trotzdem wollen wir alle hoffen, dass Jakob Werling nicht Recht behält. Das aber liegt letztendlich tatsächlich daran, dass wir, um den Song zu zitieren, nicht sagen müssen: „Doch wir haben nichts getan“. Vielen Dank Jakob Werling für diesen eindringlichen Clip, mit diesem existenziellen Thema. Der Jury ist dies den MUSIKCLIP-PREIS beim Mittelfränkischen Jugendfilmfestival 2021 wert.

SONDERTHEMA „DIVERSITY“
KREDO: „Conflict – Sirae“ (Erlangen 2020 // 14 min)
Hamudi fühlt sich alleine und hilflos, als eine islamistische Organisation ihn über Social-Media kontaktiert und ihm das Gefühl gibt, ihn zu verstehen. Wie er damit umgeht und was das in ihm auslöst, wird in dem Mix aus Kurzfilm, Musikvideo und Deutsch-Rap erzählt.
(> Film auf YouTube)

Laudatio:
Hamudi fühlt sich allein und hilflos. Er gehört nicht dazu und wird von Vorurteilen überschüttet, als eine islamistische Organisation ihn über Social Media kontaktiert und ihm das Gefühl gibt, verstanden zu werden. Was das in ihm auslöst, darüber geht dieser Film. Daraus einen Mix aus Kurzfilm, Musikvideo und Deutsch-Rap zu machen, dann noch für das ambitionierte Medienprojekt RISE, das hätte leicht schief gehen können. Hinzu kommt eine Szenerie mit teilweise über 30 Akteuren. Das ist mehr als eine Herausforderung und gelingt nur ganz wenigen Profis. Der Grat zwischen Klischees, gut gemeint und wirklich überzeugend – bei so einem brisanten Thema und der Fülle bereits bestehender Filme zum Thema – ist äußerst schmal. Der Film ist erstaunlich, denn er schafft genau diese Gratwanderung und gerade der Mix macht den Film und seine Botschaft glaubwürdig. Er überzeugt in beiderlei Hinsicht: Beim Einsatz der Technik und in der Geschichte. Die Choreografie der Geschichte ist gelungen, die gute Kamera, der Schnitt, die schauspielerische Leistung – vor allem von Mohamad Saleh, der lange im Gedächtnis bleibt. Auch das Sounddesign, der Einsatz der Musik und auch das Weglassen. Denn der Mut zum Weglassen ist eine Kunst, um die Dramatik im richtigen Moment hervorzuheben und dem Film den Raum zu geben, eine andere Dimension zu bekommen. Genau diesen richtigen Moment zu erwischen. Das Spiel mit den drei Filmformen gelingt auch mit der Geschichte, weil Nick und Tim Gruber mit ihrem Team nie den Blick fürs Wesentliche verlieren: Das Blickfeld offen zu halten für verschiedene Blickwinkel. Der Film schafft es, jeglichen Extremismus anzuprangern, ohne beliebig zu werden. Es geht nicht um schwarz-weiß, sondern um Diversität und Respekt, nicht banal erzählt, sondern überzeugend. Das hat diesen Film in den Augen der Jury für den Preis für das SONDERTHEMA „DIVERSITY“ prädestiniert. Hierzu beglückwünschen wir Nick und Tim Gruber und ihr Filmteam.

Webvideopreis:

WEBVIDEOPREIS
Maximus Wielopolski und Jan Lenfert: „Day in the Life of a Mountainbiker”
(Erlangen 2020 // 5 min)
Das Video folgt Maxi durch einen typischen Tag als Mountainbiker.
(> Video auf YouTube)

Laudatio:
Seit 2017 betreiben die MTBros ihren Kanal kontinuierlich mit klar erkennbarem Konzept, indem sie das Thema Mountain Bikes in verschiedenen Formaten kreativ aufarbeiten. Das Video „DAY IN THE LIFE of a Mountainbiker“ bietet insgesamt ein überzeugendes Gesamtpaket: Eine humorvolle, spannende Story, die sich anhand der To-Do Liste als roter Faden entfaltet, tolle Kameraführung, gelungener Videoschnitt, Anspielungen auf bekannte YouTuber wie Julien Bam, sowie der eigene Wiedererkennungswert. Begeistert hat uns außerdem das besondere Durchhaltevermögen des Teams, die Aufnahmen wieder und wieder zu wiederholen, und zwar so lange bis sie sitzen. Dass sie dabei nicht den Spaß an der Sache verloren haben, hat sich gelohnt. Video und Kanal gehören nach Meinung der Jury im Hinblick auf die Qualität definitiv in eine höhere Liga. Die MTBros haben das Potenzial mit ihrem Unterhaltungscontent viele Menschen zu erreichen und sie durch ihre Freude am Radsport und coole Stunts zu inspirieren. Weiter so!
Es ist der Jury daher eine besondere Freude MTBros für ihr Video „DAY IN THE LIFE of a Mountainbiker“ mit dem WEBVIDEOPREIS auszuzeichnen. Gratulation!

LOBENDE ERWÄHNUNG – KATEGORIE WEBVIDEO
Minion Deutschlandtour „11.05.2016 Bayernturm“ (Nürnberg 2019 // 2 min)

Wo genau steht der Bayernturm? Findet es mit uns heraus!
Auf der Deutschlandtour geht es diesmal in die Höhe. (> Video auf YouTube)

Laudatio:
Vor 5 Jahren hat Henry den Kanal „Minion Deutschlandtour“ gegründet. Und: Der Name ist Programm. Auf seinem YouTube-Kanal dreht sich alles um Reisen, Züge und interessante Orte in Deutschland. Er bietet Content in verschiedenen Formaten: In VLOGS und gemeinsam mit den Minions nimmt er uns mit auf seine zahlreichen Reisen; Clips von fahrenden Zügen an Bahnstrecken und aus verschiedenen Perspektiven lassen nicht nur das Herz aller Eisenbahnfans höherschlagen. Die Mischung machts! So ist es dem YouTuber gelungen, auch in Zeiten der Pandemie, die das Reisen erschwert, dranzubleiben und die Minions sind immer dabei. Wir sind uns sicher, dass Henry sich und seinen Kanal in Zukunft mit Ausdauer und Herzblut kreativ weiterentwickeln wird, vor allem jetzt, da er mit seiner neuen Drohne auch die Lüfte erkunden kann. Selbst wenn die Tonqualität noch ein wenig zu optimieren wäre: Die Jury ist begeistert von Henrys Konzept, das er nicht nur auf YouTube, sondern auch auf seinem eigenen Blog seit 2015 kontinuierlich führt.
Deshalb hat Henry für seinen Kanal eine lobende Erwähnung mehr als verdient und wir hoffen, dass er weiterhin mit viel Freude neue Ecken von Deutschland mit seinen Minions erkundet.